Stadt New York | Der Einzelhandelsmarkt hat nicht auf eine weitere digitale Plattform gewartet, die neben bestehenden ERP-, CRM-, DXP- und Analytics-Lösungen steht – und sich oft mit diesen überschneidet. Dennoch glaubt der ehemalige ESL-Spezialist Solum an der Zeit, sich als Anbieter einer "Intelligent Store Management Platform" neu zu positionieren.
Wenn die NRF 2026 am Sonntag ihre Pforten öffnet, will das koreanische Retail-Tech-Unternehmen Solum seine neue Positionierung deutlich ins Rampenlicht rücken. Ursprünglich bekannt für seine ESL-Technologie (Electronic Shelf Label), geht Solum nun über seine historische Hardware-Präsenz hinaus. Das Ergebnis ist ein neues, integriertes Angebot: die Solum Store Platform (SSP).
Vom ESL-Spezialisten zum Plattformer
Der Ehrgeiz von Solum ist eindeutig plattformgetrieben. Das SSP wurde entwickelt, um Datenströme zu vereinheitlichen, die in den heutigen Geschäften normalerweise isoliert sind, einschließlich ESLs, KI-gestützter Kameras, Digital Signage-Systeme und einer Vielzahl von Sensoren im Geschäft. Anstatt diese Technologien als eigenständige Lösungen zu behandeln, zielt Solum darauf ab, sie in einer einzigen, organischen Datenpipeline zu verbinden.
Ziel ist es, den Filialbetreibern volle Transparenz über alle Abläufe zu verschaffen und die Echtzeitverwaltung von Inventar, Kundenverkehr, Personaleffizienz und In-Store-Marketing von einem zentralen Dashboard aus zu ermöglichen. Laut Solum soll diese ganzheitliche Sichtweise das Filialmanagement vereinfachen und manuelle Eingriffe reduzieren – eine zunehmend kritische Anforderung, da Einzelhändler Schwierigkeiten haben, Personal zu besetzen und physische Standorte effizient zu betreiben.
Expansion von Europa und Asien nach Nordamerika
Als ehemaliger Samsung-Ableger ist Solum bereits ein etablierter Technologieanbieter in Europa und Asien, wo die Einführung von ESL noch vergleichsweise ausgereift ist. Mit der SSP bereitet das Unternehmen nun einen breiteren Vorstoß nach Nordamerika vor und positioniert seine Plattform als vollständig integrierte Alternative zu dem Flickenteppich von Systemen, der in vielen US-amerikanischen und kanadischen Filialen immer noch üblich ist.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Laden-Setups, bei denen Preisgestaltung, Anzeigen, Analysen, Beschilderung und operative Tools oft unabhängig voneinander funktionieren, soll der Plattformansatz von Solum diese Silos aufbrechen. Ob dieses Maß an Integration reibungslos mit den bestehenden IT-Stacks der Einzelhändler koexistieren kann, bleibt eine offene Frage.
"Retail-in-Sync"-Erlebniszonen bei NRF
Um seine Software-Plattform-Strategie erlebbar zu machen, präsentiert Solum auf der NRF 2026 vier sogenannte "Retail-in-Sync"-Erlebniszonen, die jeweils einen spezifischen Anwendungsbereich der SSP beleuchten:
Auftragsbestand von 1,6 Mrd. $
Aus geschäftlicher Sicht tritt Solum mit einem Auftragsbestand von 1,6 Milliarden US-Dollar und mehreren laufenden Proof-of-Concept-Projekten mit großen nordamerikanischen Einzelhändlern in den NRF ein. Das Unternehmen betont auch sein vertikal integriertes Fertigungsmodell mit Produktionsstätten in Vietnam, Mexiko, Brasilien, Indien und China und positioniert dies als Absicherung gegen die Volatilität der Lieferkette.
Ob die Store-Management-Plattform von Solum vom PoC zum groß angelegten Rollout übergehen kann, wird weniger von der technologischen Bereitschaft als vielmehr von der Fähigkeit abhängen, sich in bestehende Unternehmenssysteme zu integrieren – und klar zu definieren, wo die Plattform einen Mehrwert und nicht Redundanz bietet.
Mit SSP schließt sich Solum einer wachsenden Gruppe von Anbietern an, die versuchen, den Shop als datensynchronisierte, softwaregesteuerte Umgebung neu zu definieren. Die NRF 2026 wird zeigen, ob der Handel darin den nächsten logischen Schritt sieht – oder nur eine weitere Plattform, die in einer bereits überfüllten IT-Landschaft um Aufmerksamkeit konkurriert.